Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung - AD(H)S
5-7%
aller Kinder zeigen Symptome im Sinne einer ADHS
3,1%
aller Erwachsenen in Deutschland sind betroffen
ADHS ist häufig - und oft missverstanden
In den letzten zwei Jahrzehnten hat ADHS zunehmend öffentliche Aufmerksamkeit bekommen. Kaum ein anderes psychiatrisches Thema wird so kontrovers diskutiert – und kaum eines ist von so vielen Mythen umgeben.
Es ist daher Zeit, genauer hinzusehen und mit verbreiteten Missverständnissen aufzuräumen.
"ADHS ist nur eine Modediagnose"
ADHS ist seit Jahrzehnten gut wissenschaftlich beschrieben. Prävalenzen sind weltweit stabil und nicht „plötzlich angestiegen“, sondern werden besser erkannt.
Das ermöglicht Betroffenen, ihre eigene Situation besser zu verstehen, Erklärungen für Schwierigkeiten zu finden und – wenn nötig – gezielt Hilfe in Anspruch zu nehmen.
"ADHS gibt es nur bei Kindern"
Rund 60 % der Betroffenen zeigen auch im Erwachsenenalter noch Symptome. ADHS ist eine lebenslange neurobiologische Störung, keine „Kinderkrankheit“.
Ein frühzeitiger Therapiebeginn ist jedoch wichtig: Er kann helfen, Folgeerkrankungen zu vermeiden, die alltägliche Funktionsfähigkeit zu verbessern und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu stärken.
"ADHS bedeutet einfach, unkonzentriert zu sein"
ADHS umfasst mehr als Unaufmerksamkeit. Impulsivität, emotionale Reizbarkeit und oft eine ausgeprägte innere Getriebenheit gehören dazu.
Viele Betroffene fühlen sich schon ihr ganzes Leben lang missverstanden und gehen sehr streng mit sich selbst um. Das muss nicht so bleiben – eine gezielte Diagnose und Behandlung kann hier entlasten und neue Perspektiven eröffnen.
"ADHS wird mit Medikamenten ruhiggestellt"
Medikamente wirken regulierend, nicht dämpfend. Sie fördern Aufmerksamkeit und Selbststeuerung und schaffen oft erst die Grundlage dafür, dass Therapie und Alltag spürbar leichter werden.
Moderne Stimulanzien bieten eine große Chance: Sie helfen Betroffenen, ihr Potenzial besser zu entfalten und mehr innere Ruhe zu finden.
Diagnose
Erkennen und Verstehen
Der erste Schritt zur Klarheit
Die Diagnose von ADHS basiert auf einer klinischen Einschätzung, ergänzt durch standardisierte Fragebögen und eine Fremdanamnese. Dieser erste Schritt schafft Klarheit und führt für viele Betroffene bereits zu spürbarer Entlastung.
Psychoedukation
Wissen
Verstehen als Grundlage
Ein wichtiger Teil der Behandlung ist Aufklärung über ADHS. Durch Wissen und Verstehen gewinnen Betroffene und Angehörige Sicherheit und neue Perspektiven im Umgang mit den Symptomen.
Therapie
Medikamente gezielt einsetzen
Regulieren statt ruhigstellen
Medikamente wirken regulierend, nicht dämpfend. Sie verbessern Aufmerksamkeit, Selbststeuerung und emotionale Stabilität - und schaffen so die Grundlage für weitere therapeutische Schritte.
Gespräch
Beziehung als Basis
Strategien entwickeln und umsetzen
Psychotherapeutische Begleitung unterstützt dabei, eigene Muster zu erkennen, Selbstakzeptanz zu fördern und neue Strategien im Alltag umzusetzen. Vertrauen und eine tragfähige Beziehung sind dabei die Grundlage.
Alltag
Struktur und Unterstützung
Hilfen für ein selbstbestimmtes Leben
Zusätzlich können praktische Hilfsmittel wie digitale Tools, Coaching oder Ergotherapie den Alltag erleichtern. So gelingt es, eigene Stärken besser zu nutzen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Hören Sie mehr zum Thema ADHS
In dieser Folge spricht das Team von Jung und Freudlos mit PD Dr. Swantje Matthies vom Universitätsklinikum Freiburg über das Thema ADHS
Ein spannendes wie unterhaltsames Interview zum Buch "Die Welt der Frauen und Mädchen mit AD(H)S" meinen Kolleginnen Dr. Ismene Ditrich, Dr. Christa Koentges, PD Dr. Swantje Matthies und Dr. Christine Carl.

